Literaturwissenschaft

Martin-Andreas Schulz

Johann Karl Wezel – Literarische Öffentlichkeit und Erzählen

Untersuchungen zu seinem literarischen Programm und dessen Umsetzung in seinen Romanen

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Die Romane des Spätaufklärers Johann Karl Wezel (1747–1819) mußten sich seit ihrer Wiederentdeckung in den 60er Jahren eine zunächst recht einseitige Deutung gefallen lassen. Erst in den 90er Jahren erscheinen erste wissenschaftliche Arbeiten, die die Texte verstärkt im Kontext sowohl der Aufklärungsideologie als auch der speziellen Weltsicht Wezels untersuchen. Die vorliegende Arbeit macht sich zur Aufgabe, Johann Karl Wezels literarisches Programm sowie dessen Umsetzung in seinen Romanen zu untersuchen. Dabei werden zwei übergeordnete Aspekte in die Untersuchung integriert, die – zu Unrecht – in der Wezelforschung nur geringe Beachtung gefunden haben. So wird hier entgegen der traditionellen Sicht die These vertreten, daß Wezel dem Denken der Aufklärung verpflichtet bleibt. Zeichen für Wezels Beharren auf den Ideen der Aufklärung sind beispielsweise die Verweise in den Romanen auf einen allgemeinen Wissenshorizont der Mitglieder der literarischen Öffentlichkeit sowie der Versuch, aktiv im öffentlichen Diskurs eine demokratische Streitkultur zu befördern.
Um die Prinzipien einer literarischen Öffentlichkeit auch aus der Distanz von über zweihundert Jahren und vor dem Hintergrund gewandelter ästhetischer Vorstellungen entschlüsseln zu können – denn nur so wird ein adäquater Zugang zu den Erzählweisen in Wezels Romanen möglich –, kommt zudem ein bislang in der Erforschung der Literatur im 18. Jahrhunderts weitgehend vernachlässigter Aspekt in dieser Untersuchung zur Anwendung: Die Analyse der Romane Tobias Knaut (1773-76), Belphegor (1776) und Herrmann und Ulrike (1780), die exemplarisch für das gesamte Erzählwerk Wezels herangezogen werden, erfolgt mit Hilfe narratologischer Methoden und Verfahren im Sinne der Genetteschen strukturalistischen Schule. Aus dieser Sicht erweisen sich Wezels Romane als genau konstruierte, (selbst)referentielle Texte. Seine narratologischen Verfahren bleiben immer dem didaktisch motivierten Versuch verpflichtet, den Dialog mit dem Leser zu suchen. Um dieses Ziel trotz sich ändernder gesellschaftlicher Bedingungen zu erreichen, versucht Wezel die Möglichkeiten des Erzählen zu radikalisieren, um so noch einmal den Idealen der Aufklärung zur Durchsetzung zu verhelfen.

  • ISBN: 978-3-93232-490-1
  • (Schriften der Johann-Karl-Wezel-Gesellschaft 3)
  • 240 Seiten
  • Broschur
  • Am 13.09.2000 erschienen
  • Deutsch
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