Gedanken über den Begriff der Gerechtigkeit

Gottfried Wilhelm Leibniz
Hrsg. von Wenchao Li

Gedanken über den Begriff der Gerechtigkeit

Herausgegeben und mit einer Einführungversehen von Wenchao Li

€ 6,00 nicht lieferbar
Im Sommer 1703 kam es im Schloss Herrenhausen zu einer bedeutenden »Konversation« zwischen dem großen Gelehrten Leibniz und Kurfürst Georg Ludwig, dem späteren König von England. Der vorliegende und erstmals vollständig ins Deutsche übersetzte Text legt jedoch die Vermutung nahe, dass es sich eher um einen Vortrag gehandelt haben muss. Diesen Vortrag, den Leibniz fast exklusiv – Georg Ludwigs Mutter, Kurfürstin Sophie Charlotte war mit dabei – für seinen Dienstherrn hielt, hat er kurz darauf für Sophie schriftlich ausgearbeitet.

Der Vortrag hat ein einziges Thema, geht einer einzigen Frage nach: Was ist das, die Gerechtigkeit? 300 Jahre danach hat der Text nichts an philosophischer Tiefe und politischer Aktualität verloren.

Gerecht ist, was dem Mächtigsten genehm ist?
Man muss zugeben, dass die Menschen unter Gerechtigkeit etwas anderes verstehen als das, was dem Mächtigen gefällt und was unbestraft bleibt.
Es geht darum, den formellen Grund zu finden, der uns lehren soll, worin die Gerechtigkeit besteht und was die Menschen meinen, wenn sie eine Handlung gerecht oder ungerecht nennen.
Das Recht kann nicht ungerecht sein – das wäre ein Widerspruch – aber das Gesetz kann es sein.
Gerechtigkeit ist nichts anderes als das, was gleichermaßen der Weisheit und der Güte entspricht.
Versetzen Sie sich in die Lage des anderen, und Sie werden den richtigen Standpunkt haben, um zu beurteilen, was gerecht ist und was nicht.
Ehrenhaft leben! Niemanden schädigen! Jedem das Seine zugestehen!
Ebenso wenig wie seine Seele kann also das Eigentum am Körper eines Menschen nicht erworben werden.
Kinder sind kein Eigentum ihrer Erzeuger.
Kein Herr hat das Recht, seine Sklaven so zu behandeln, dass sie zornig oder unglücklich werden.
Wollten wir uns allein an das strenge Recht halten, so würden amerikanische Menschenfresser das Recht haben, ihre Gefangenen zu verzehren.

Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716)

  • ISBN: 978-3-86525-527-3
  • Übersetzt von Pierre Castagnet, Nina Asmussen, Stefanie Ertz und Stefan Luckscheiter
  • 56 Seiten
  • Broschur
  • Am 24.02.2014 erschienen
  • Deutsch
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