Nicola Kaminski / Volker Mergenthaler / Sven Schöpf

Turnus 1813ff.

Mnemopoetische Aporien des ›Regelmäßigen‹ und Auswege ins Materiale

Pfennig-Magazin 10: Die denkwürdigen Ereignisse des Jahres 1813, von denen in der sukzessive sich wieder konstituierenden deutschsprachigen Presse allenthalben die Rede ist, allen voran die Leipziger Völkerschlacht, werfen die Frage auf: wie soll man fortan — überregional, national — dieser Tage gedenken? Und welcher Tage genau? Journale und journalartige Medien erscheinen aufgrund der Korrelation von Journalturnus und jährlicher Wiederkehr möglicher Gedenktage prädestiniert für die Herausbildung und Einübung eines an bestimmte Tage sich bindenden nationalen Gedenkens — können sie doch zwanglos im Vorfeld zu Veranstaltungen anregen, über das in Erinnerung zu Rufende informieren, individuelle Erinnerungsakte anstoßen, von Gedenkveranstaltungen berichten, über Erinnerungspolitik und ihren eigenen Beitrag dazu reflektieren. Im Nachdenken über die medienspezifischen Möglichkeiten, einen Gedächtnisturnus zu etablieren, rücken unversehens allerdings auch Aporien des turnusstiftenden Gestus ins Licht, die Journalmedien bisweilen ihrer publizistischen Voraussetzungen und Funktionsweisen innewerden lassen.
Solche medialen Szenarien untersucht dies Pfennig-Magazin in vier analytischen Naheinstellungen, im Mittelpunkt stehen die in Gotha veranstaltete National-Zeitung der Deutschen im Zeitraum von 1814 bis 1825, der Wanderer und das Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst, beide in Wien, von 1816 bis 1820, die publizistische Szene in Berlin 1817/18 um die Gaben der Milde und das preußische Erinnerungsbuch sowie zuletzt die in Darmstadt ansässige Allgemeine Militär-Zeitung von 1859 bis 1863.

Pfennig-Magazin 11: Die Auseinandersetzung mit dem Jahr 1913 erfolgt meist im Zusammenhang mit der Erörterung des globalen Unheils der Folgejahre. Beschäftigt man sich mit den Zeitzeugnissen, die die angespannte politische Großwetterlage Europas am Vorabend des Ersten Weltkriegs reflektieren, lassen sich die künftigen Ereignisse erahnen. Doch auch der mediale Rekurs auf die Vergangenheit steht zeitgenössisch im Zeichen kriegerischer Auseinandersetzungen. Man erinnert die »große Zeit vor hundert Jahren«, jene Kämpfe in den Jahren 1813-1815, die das Ende der Napoleonischen Hegemonie markieren. Spätestens seit der Reichsgründung im Jahr 1871 gelten die sogenannten Befreiungskriege als Gründungs-
mythos der deutschen Nation.
Primäres Anliegen der vorliegenden Studie ist es, den Blick für das ›kleine‹ Konkrete zu schärfen, mit dem sich die breite Öffentlichkeit anlässlich des ›Jubeljahrs‹ 1913 konfrontiert findet. Im Zentrum stehen einzelne Druckerzeugnisse: Printmedien, die das Ziel verfolgen, eine besonders ambitionierte Art von Erinnerungsarbeit zu leisten. Deutlich wird: Um 1913 begnügt man sich nicht damit, die Ereignisse von 1813 glorifizierend zu rekonstruieren. Man ist auch äußerst erpicht darauf, der Leserschaft jene Zeit materialiter zu vergegenwärtigen.

  • ISBN: 978-3-98859-037-4
  • Pfennig-Magazin zur Journalliteratur, Doppelnummer 10/11
  • 56 farbige Abb.
  • im Schuber
  • 180 Seiten
  • Broschur
  • Am 04.01.2024 erschienen
  • Deutsch
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