Shakal, der schöne Geist<br>
Ein zeitgenössisches Pasquill auf Jean Paul

Johann Theodor Benjamin Helfrecht
Hrsg. von Dorothea Böck

Shakal, der schöne Geist

Ein zeitgenössisches Pasquill auf Jean Paul

€ 19,80 nicht lieferbar
(vergriffen)

»Man müsste von sich 2 oder 3 widersprechende Selbstbiographien schreiben, um eine 4te rechte zu machen«, so Jean Paul um 1803/4. Gut zehn Jahre später notiert er: »Meine richtigste Biographie wäre 1) von einem Freunde, 2) von einem Feinde 3) von mir 4) von einem Mittler.«

Der Dichter hat tatsächlich zwei »widersprechende«, nämlich perspektivisch »gegenfüßlerische« Biographien hinterlassen: seine Konjekturalbiographie (1799) und das posthum erschienene Fragment einer Selberlebensbeschreibung. Auch die eines »Freundes« lässt sich finden, wie die von Georg Christian Otto und Ernst Förster unter dem Titel Wahrheit aus Jean Paul's Leben (1826–1833) herausgegebene Lebensdarstellung dieses vermeintlich so »konfusen Polyhistors von Bayreuth« (Heine) zeigt. Und selbst wenn man nach der eines »Mittlers« vergeblich fahnden dürfte – eine Jean-Paul-Biographie aus der Feder eines »Feindes« existiert allemal: Die Rede ist von Shakal, der schöne Geist (1799, 2. erw. Aufl. 1801), einem in Jean-Paulscher Manier verfassten Pasquill auf den zu diesem Zeitpunkt im Zenit seiner Karriere stehenden Autor. Verfasser dieses bisher kaum beachteten »Halbromans« ist der damalige Rektor des Hofer Gymnasiums Johann Theodor Benjamin Helfrecht (1753–1819), ein intimer Kenner Richters und seiner Lebens- und Familienverhältnisse.

Jean Paul hat diesem Prototyp eines zopfigen Schulpedanten und spätaufklärerischen Eiferers in seiner 1796 erschienen Humoreske Des Rektors Florian Fälbels und einer Primaner Reise nach dem Fichtelberg ein bleibendes satirisches Denkmal gesetzt. Es liegt also nahe, Helfrechts »libellus« als Revanche eines Gekränkten zu verstehen, der hier fantastisch verbrämt ausplaudert, was man um 1800 in der literarischen Provinz, speziell im hinterwäldlerischen Franken, von romantisch-genialischen »Irrwischen« à la Jean Paul so dachte.

  • ISBN: 978-3-86525-312-5
  • Mit einem Nachwort und einem Namensschlüssel von Dorothea Böck
  • 240 Seiten
  • Broschur
  • Am 26.03.2013 erschienen
  • Deutsch
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