Die Studie widmet sich dramatischen Mischformen zwischen Barock und Frühaufklärung und stellt die Frage, wie die Texte im Übergang vom 17. zum 18. Jahrhundert eine eigene ›Gegenwart‹ oder ›Gegenwärtigkeit‹ erzeugen. Gefolgt wird dem Befund, dass der zeitgenössische Gegenwartsbegriff, der vor allem auf die physische und räumliche Präsenz, das Gegenwärtigsein auch von Bühnenfiguren, verweist, einen Umbau erfährt und sukzessive neu besetzt wird. Im Fokus stehen daher die Ermöglichung einer konzeptuellen und begrifflichen Transformation von ›Gegenwart‹ und die Voraussetzungen eines zeitreflexiven Bewusstseins. Für eine solche Beobachtung eignet sich insbesondere das variantenreiche, nicht-
aristotelische Mischspiel, weil es – jenseits der Dominanz des Märtyrerdramas bei Gryphius und Lohenstein oder der reformprogrammatischen Musterstücke bei Gottsched – aus einer christologischen, heils- und endzeitgeschichtlichen Perspektivierung des Weltlaufs heraus- und in ein weitgehend unbestimmtes Funktions- und Bedingungsgefüge hineinführt. Hier muss sich die Dramen- und Theaterkultur neu ausrichten und ihre ›Gegenwart‹ entsprechend umcodieren. In dieser Hinsicht problematisiert die Studie jenes literatur- und epochengeschichtliche Beschreibungsmuster, das die Zeit um 1700 nicht selten und nach wie vor als vermeintliche Verfalls- oder Krisenphase bewertet.