Schillers Karl Moor, Goethes Götz von Berlichingen und jetzt Dalbergs Oronooko – so setzt eine Rezension zu Wolfgang Heribert von Dalbergs Oronooko-Tragödie aus dem Jahr 1786 an. Was folgt, ist eine emphatische Besprechung. Für sein Trauerspiel greift Dalberg auf einen für die europäische Anti-Sklaverei-Debatte zentralen Stoff zurück. Vorlage ist Thomas Southernes gleichnamige Tragödie (1696), die ihrerseits eine Adaption von Aphra Behns Roman Oroonoko, or the Royal Slave (1688) darstellt.
Die Tragödie handelt von der Liebesgeschichte und dem Freiheitskampf der Titelfigur genauso wie von den Gräueln der Sklaverei. Von Sklavenhändlern aus West-afrika verschleppt, trifft Oronooko auf einer Sklavenplantage in einer britischen Kolonie unverhofft seine Frau Imoinda wieder. Gerührt vom Schicksal der beiden setzt der ›gute‹ Plantagenverwalter Blandfort sich für sie ein. Das Happy End scheitert jedoch an der Gewalt und den Intrigen des Vize-Gouverneurs.
Für die Mannheimer Bühne relativiert Dalberg zeitgeschichtliche Kontexte. Daran ändert auch das Ende nichts: die fiktive Abschaffung der Sklaverei. Das ›blutige Werk‹ der Sklaverei wird vor allem moralisch verurteilt. In den Mittelpunkt rücken in der Folge menschliche Größe, menschliches Leid und ein tragödienfähiger Schwarzer Protagonist.